Haben Sie sich jemals gefragt, was dieser „geheime Code“ auf der Innenseite Ihrer Sonnenbrille bedeutet? Die meisten Menschen halten diese Zahlen und Buchstaben für eine Seriennummer, aber in Wirklichkeit ist dort so etwas wie ein „Sicherheitsausweis“ für Ihr Sehvermögen codiert.
Schauen wir uns an, wie man diese Zeichen richtig liest, damit Sie nicht einfach nur ein teures Stück Plastik kaufen.
1. Der Hauptcode: Filterkategorien (Filter Category)
Die wichtigste Zahl, nach der Sie suchen sollten, ist die Kategorie der Lichtfilterung. Sie wird als Cat oder Filter Cat angegeben und reicht von 0 bis 4. Diese Zahl zeigt, wie viel sichtbares Licht die Linse zum Auge durchlässt.
Kategorie
Lichtdurchlässigkeit
Für welche Bedingungen
Beispielmodell
Cat 0
80–100%
Klare oder leicht gelbliche Gläser für Innenräume oder Dämmerung.
Oakley Radar EV (Clear)
Cat 1
43–80%
Wechselnde Bewölkung, schwaches Licht. Häufig rosa oder orange Gläser.
Ray-Ban Aviator (Light Yellow)
Cat 2
18–43%
Mittlere Sonneneinstrahlung, typische Stadtbedingungen in gemäßigten Zonen.
Wichtig: Kategorie 4 ist so dunkel, dass sie die Wahrnehmung von Ampelsignalen verfälscht. Wenn auf dem Bügel eine „4“ steht, ist es gefährlich und in vielen Ländern sogar gesetzlich verboten, mit solchen Brillen Auto zu fahren.
2. UV-Schutz: Die Kennzeichnung, die Ihre Netzhaut schützt
Viele verwechseln Tönung mit Schutz. Sie können völlig dunkle Sonnenbrillen kaufen, die keine ultraviolette Strahlung filtern. Das sind „Augenkiller“: In der Dunkelheit erweitert sich die Pupille, und noch mehr schädliche Strahlung gelangt ins Auge, als wenn Sie gar keine Brille tragen würden.
UV400: Der ideale Wert. Bedeutet, dass die Gläser 100% der Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern (UVA und UVB) blockieren.
CE: Europäisches Konformitätszeichen. Garantiert, dass die Brille den Schutzstandards entspricht.
UKCA: Das britische Pendant (in den letzten Jahren eingeführt).
3. Buchstabenindizes: P, F, N
Neben der Kategorie (zum Beispiel 3P oder Cat 2N) stehen oft Buchstaben. Hier ihre Bedeutung:
N (Normal): Normale Linse ohne spezielle Eigenschaften.
P (Polarized): Mit Polarisationsfilter. Entfernt Blendungen von Wasser, nassem Asphalt und Autokarosserien.
F (Photochromic): „Chamäleon“-Gläser, die ihre Tönung je nach Lichtstärke verändern.
Wenig bekannter Fakt: Wenn Sie mit polarisierten Gläsern (Kennzeichnung P) auf das Display eines alten Geldautomaten oder auf bestimmte Armaturenbretter schauen, kann das Bild „verschwinden“ oder in Regenbogenfarben erscheinen. Das ist Physik – ein Konflikt zwischen zwei Polarisationsfiltern.
4. Geometrie des Komforts: Größen (52 [] 18 140)
Auf dem Bügel findet man oft eine Reihe aus drei Zahlen. Das ist kein Schutzcode, sondern beschreibt die Passform:
52 (Glasbreite): Beeinflusst, wie breit die Brille im Gesicht sitzt.
18 (Stegbreite): Ein entscheidender Parameter für den Tragekomfort auf der Nase.
140 (Bügellänge): Abstand vom Scharnier bis zum Ende des Bügels.
Praxistipp: Wie prüft man Polarisierung in 5 Sekunden?
Wenn Sie unsicher sind, ob die Brille wirklich polarisiert ist, nehmen Sie zwei polarisierte Sonnenbrillen. Halten Sie die Gläser gegeneinander und drehen Sie eine Brille um 90 Grad. Wenn der Überlappungsbereich vollständig schwarz wird (undurchsichtig), ist die Polarisierung echt.
5. Zusätzliche Buchstaben: V, C und andere
Manchmal erscheinen nach der Filterkategorie (zum Beispiel Cat 3) spezielle Buchstaben, die besonders für den professionellen Einsatz wichtig sind:
V (Photochromic/Variable): Die Linse passt ihren Tönungsgrad an. Im Gegensatz zu konstant getönten Gläsern reagieren diese auf UV-Strahlung. Die Kennzeichnung kann z. B. als 1–3V erscheinen. Beispiel: Transitions-Gläser oder die Serie Oakley EVZero Swift.
C (Color Gradient): Verlaufstönung. Oben dunkler, unten heller. Ideal für Autofahrer: oben Schutz vor Sonne, unten klare Sicht auf das Armaturenbrett. Beispiel: Klassische Damenmodelle von Tom Ford oder Chanel.
6. Weniger bekannte Codes: Entspiegelung und Hydrophobie
Bei teuren Sport- oder Premium-Modellen (zum Beispiel Maui Jim oder Serengeti) können auf der Innenseite des Bügels oder sogar direkt auf der Linse (per Laser) technische Abkürzungen für Beschichtungen angebracht sein:
AR (Anti-Reflective): Entspiegelnde Beschichtung auf der Innenseite der Linse. Verhindert, dass sich Ihre eigenen Augen spiegeln, und reduziert die Ermüdung.
H (Hydrophobic): Wasserabweisende Schicht. Regentropfen oder Schweiß perlen einfach ab, ohne Streifen zu hinterlassen.
O (Oleophobic): Schutz vor Fettflecken und Fingerabdrücken.
7. Die Glasfarbe ist nicht nur Ästhetik
Die Farbe wird zwar nicht durch Zahlen codiert, beeinflusst aber direkt die Wirkung der „Markierung“.
Grau (G-15 bei Ray-Ban): Am neutralsten. Verfälscht Farben nicht, ideal für den Alltag.
Braun/Kupfer: Erhöht den Kontrast. Beste Wahl fürs Autofahren und Golf, da Entfernungen besser wahrgenommen werden.
Gelb/Orange: „Aufhellende“ Gläser. Filtern den blauen Anteil des Lichts und sorgen für klare Sicht bei Nebel oder Dämmerung.
Grün: Reduziert Blendung und filtert das Licht sanft, wodurch ein entspannter Seheindruck entsteht.
8. Anatomie der Seriennummer
Wenn Sie auf dem Bügel eine lange Zeichenfolge wie RB 2140 901 50-22 3N sehen, lässt sich das so aufschlüsseln:
RB 2140 — Modellname (in diesem Fall Wayfarer).
901 — Code für Rahmenfarbe und Glastyp.
50-22 — Glasbreite und Stegbreite (mm).
3N — Kategorie 3, normale Linse.
Praktische Tipps zur Auswahl
Für Autofahrer: Achten Sie auf die Kennzeichnung P (Polarized) und Kategorie 2 oder 3. Kategorie 4 niemals wählen. Wenn Sie oft durch Tunnel fahren, sind Verlaufsgläser (C) ideal.
Für Berge und Meer: Nur Cat 3 oder Cat 4 (wenn Sie nicht fahren). In Höhen über 2000 Metern ist die UV-Strahlung deutlich stärker, daher ist UV400 Pflicht.
Echtheitsprüfung: Bei Marken der Luxottica-Gruppe (Ray-Ban, Oakley, Prada, Persol) wird die Kennzeichnung hochwertig aufgebracht und darf sich nicht wie ein Aufkleber anfühlen. Auf der linken Linse befindet sich oft eine kaum sichtbare Lasergravur (z. B. RB oder ein Logo).
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